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Frage von Ambrosia: Wie gefährlich sind Kinderkrippen, Ganztagsschulen, Elite-Unis, Internate und Co. ? – eine Systemkritik?
Werden nicht dort Menschen erzogen, die einem System, einer Haltung, einem gewissen “So muss es ein” anverpflichtet werden, anstelle der eigenen, menschlich differenzierten Beurteilungsfähigkeit?
Führt das nicht zu “Heerscharen” von Menschen in Führungspositionen die diese Haltung vertreten, für die Kälte und “Systemtreue” Lebenshalt bieten und absolute Norm darstellen?
Kinder, die den ganzen Tag über “Bildung”, “Frühförderung”, “Betreuung” konsumieren, anstatt wirklicher persönlicher und familiärer Beziehungen, damit ihre Eltern auch ja keine Stunde des Tages versäumen, in der sie das System (dass uns ja alle so glücklich macht) am laufen halten. Werden wir nicht schon zum großen Teil von kalten, mechanismusgläubigen Menschen “verwaltet”? Ist nicht dass, was als Disziplin, Bildung, guter Lebenswandel, “gesundes” Maß Freizeit, “gesundes” Maß Familie, “gesundes” Beziehungsleben, erfolgreiche Karriere… kurzum das Funktionieren im System mit ausreichend gegenseitiger sozialer Kontrolle von den Elitenzüchtern angepriesen wird, der Abschied von dem, was gemeinhin als Menschlichkeit bezeichnet wird? Von unserer wirklichen Individuellen freiheit, geistigen Entfaltung, vielleicht sogar Liebe (obwohl ich mit diesem Wort sehr sparsam und vorsichtig umgehen möchte)?
Wie viele Beispiele kann man schon finden, die zeigen wie die systemischen Kategorien zu eigentlich sämtlichen Katastrophen führen, die man mit genau diesem System wieder zu bekämpfen versucht?
John D: Ich wollte sogar noch fast auf das Wort “Unterschicht” eingehen. Genau DAS ist ein Ergebnis der System- und Kategoriegesellschaft in der wir Leben. Wie kann man unter dem Deckmäntelchen politischer Korrektheit und soziologischer Erhebungen Menschen als etwas niederes abqualifizieren?! hast Du schon mal einen Gedanken daran verschwendet welche Konsequenzen DAS hat? Würde es Dir gefallen, Dich anhand z.B. Deiner Finanziellen Mittel, Deiner Wohnumgebung, Deines höchsten schulischen Abschlusses als etwas “unteres” bezeichnet zu werden? Genau DAS iszt die Ent-Individualisierung die ich gemeint habe. DANKE dass Du diese grauenhafte Wort, so selbstverständlich wie ja üblich geworden, erqähnt hast! Dieses ständige sich-selbst beweihräuchern der ach so bildungsnahnen Akademiker- und Besserverdienerbande ist für mich eine gerade erstarkende Welle des Neofaschismus sondergleichen.
Beste Antwort:
Answer by stools of a magician
Zuerst nannte sich sowas Religion, danach Unglaube, dann Tageszeitung, danach Radio, dann Cinematographie, dann Fernsehen und heute outsource the up-bringing.
Ein System ist immer in sich kohärent und nach außen chaotisch obwohl es genau anders rum aussieht. Du vermengst hier die Mensch-Nachwuchs-Beziehung die auch außerhalb jedlicher Systeme Funktionieren würde (was es aber nicht gibt) und eine Zusammenlebensform die immer abstrakt ist und sich nur mit dem was wir als “Fürsorglichkeit” bzeichnen überschneidet.
Es mag pathetisch klingen aber gute Politik zeichnet sich nur in unserer Lebens und Gesellschaftsform dadurch aus das sie sich darum bemüht dem Modernen Mitbewohner wieder die Zeit zu geben an seinen Nachwuchs zu denken und ihn nicht unnötog am Arbeitsplatz/TV zu fixieren.
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Sehr viel gefährlicher, weil überall präsent und im Wachstum begriffen, ist die geistige und seelische Verwahrlosung, die sich inzwischen durch mehrere Generationen fortpflanzt – die Unterschicht prägt inzwischen unser Kulturleben, die Medien- und Unterhaltungsindustrie in einem Ausmaß, das vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar war.
Drei Generationen unter einem Dach wollen unterhalten sein – wenn alle am Hartz IV-Tropf hängen, fehlt jedes Vorbild oder Ehrgeiz, etwas aus sich zu machen.
Es gibt heute mehr Schul- und Lehrabbrecher als je zuvor – und die Anzahl der Mitbürger jeden Alters, die massive Probleme beim Lesen und Verstehen eines Formulars, oder gar eines Buchs oder eines Leitartikels in z.B. der TAZ, SZ oder FAZ haben ist erschreckend hoch.
Die paar Figuren, die zu “Eliten” gemacht werden, fallen da bald kaum noch ins Gewicht. Es gibt bald keine Leute mehr, die sie “ausbeuten” könnten – die Mehrzahl wird nicht mehr in der Lage sein, einen qualifizierten Arbeitsplatz zu besetzen; die angelernten Hilfsjobs sind eh’ längst in Asien gelandet.
PS:
Das Phänomen “Unterschicht” wirst du nicht mit politischer Über-Korrektheit wegdefinieren können. Es ist da, es wächst, es hat kein Interesse, sich selbst anders zu positionieren – und der letzte Punkt ist das Problem.
Ich selbst kam auch mal aus der Ecke – bis ich mir gesagt habe, “das kann’s nicht sein, so willst du nicht leben!” und mich auf den Weg gemacht habe. Das war nicht leicht, aber machbar.
Und das ist es auch heute noch!
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Menschlichkeit hat es noch nie gegeben, daher kann man sich nicht von ihr verabschieden.
Das Volk wurde immer gelenkt.
Ich finde auch, dass zu viel Professionalität in der Erziehung nicht gut ausgehen kann.
Was ich aber bei den Grundschulkindern, mit denen ich ehrenamtlich Hausaufgabenhilfe und manche Freizeitaktivitäten mache, feststelle: Denen fehlen weniger die Eltern und die Nestwärme als die Erfahrung, selber etwas zu schaffen.
Ich glaube, den Kindern fehlt das freie, ungeleitete Spielen in der Natur, das Spielen in Gruppen ohne Erwachsene, das Experimentieren mit den eigenen Fähigkeiten, der eigenen Geschicklichkeit und Schnelligkeit, die Übung im Umgang mit Gefahren und Risiken. Ihnen fehlt der Zugang zu dem, was in der Arbeits- und Alltagswelt geschieht. Vor der Glotze oder vor dem PC kann man nicht gut groß werden.